Pfarrer Dieter Nesselhauf geht in Ruhestand

Gedanken zu seiner Zeit als Pfarrer in Karlsruhe und darüber hinaus

Pfarrer Dieter Nesselhauf geht in den Ruhestand. Die Gemeindemitglieder aus der Seelsorgeeinheit Allerheiligen haben ihn am Samstag, den 21. Juli, in der Vorabendmesse in St. Konrad und am Sonntag, den 22. Juli, beim Familiengottesdienst in Heilig Kreuz feierlich verabschiedet. Seit 2008 war Dieter Nesselhauf Pfarrer in Karlsruhe. Zuerst in der ehemaligen Seelsorgeeinheit St. Konrad-Heilig Kreuz, seit 2015 in der Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen.

 

Am 03. November 1947 freute sich Bertolt Brecht, der in dieser Zeit in den USA im Exil lebte. Er erhielt einen Brief eines Freundes Hans Tombrock. Der war Maler und hatte in demselben Jahr eine Schule für Bildende und Angewandte Kunst in Dortmund eröffnet. Ein interessantes Ereignis. Es wird aber zumindest zwei Menschen damals im Nachkriegsdeutschland wenig interessiert haben. Für sie gab es an besagtem Tag ein anderes, weit wichtigeres Ereignis: die Geburt ihres Sohnes Dieter Nesselhauf. Heute, über siebzig Jahre später, richtet sich der Blick ebenfalls auf diesen Menschen: Pfarrer Dieter Nesselhauf. Anfang August wird er in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Über 10 Jahre wirkte er Dieter Nesselhauf in der Fächerstadt. Zuerst in der Seelsorgeeinheit St. Konrad-Heilig Kreuz, seit 2015 in der Seelsorgeeinheit Karlsruhe Allerheiligen. Nach seinem Studium war er zunächst Lehrer. Mancher Schüler konnte ihn am Karlsbader Gymnasium als Lehrer erleben. Doch spürte der Pädagoge, dass dies (noch) nicht die endgültige  Berufung für ihn war. Es zog ihn nach Freiburg, wo er nach seiner theologischen Ausbildung am 28. Mai 1981 im Freiburger Münster zum Priester geweiht wurde. Danach wirkte er als Priester und Seelsorger in Pforzheim und Walldorf.

Wohlgefühlt hat sich Dieter Nesselhauf an allen Orten, wenngleich alle Gemeinden sehr unterschiedlich waren und jeweils andere Herausforderungen oder Besonderheiten bereithielten. Dabei ging sein Weg von der Pfarrei zum Pfarrverband und schließlich zur Seelsorgeeinheit, von kleinen zu immer größeren Strukturen und auch immer größeren Teams in der Seelsorgearbeit. Für Dieter Nesselhauf ein Gewinn. Er ist ein Teamplayer aus ganzem Herzen. Nicht nur „innerkatholisch“, auch im Ökumenischen Miteinander. An seiner Stelle in Walldorf, die vom Geist der Ökumene besonders geprägt war, hat Dieter Nesselhauf viele Ideen auf den Weg gebracht, die bis heute nachwirken. Diese Impulse hat er nach Karlsruhe mitgebracht, wo er bei den hauptberuflichen und ehrenamtlichen Gremien und Kreisen für ein offenes und beherztes Weitergehen auf neuen Pfaden geworben hat.

Eine Oase für seine persönliche Spiritualität, aber auch eine „Tankstelle“ für seine Arbeit als Seelsorger und Priester, fand Dieter Nesselhauf vor allem im Kloster Neustadt. Er besuchte es viele Jahre regelmäßig zu Exerzitien und Weiterbildungen im Alten Testament. Eine weitere Inspirationsquelle war und ist für Dieter Nesselhauf die Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“. So mancher Artikel fand bei ihm Niederschlag in Predigten, Gesprächen oder Aushängen im Kirchenraum und regte seine Gemeinde, die Leser oder Zuhörer zur Auseinandersetzung, zum Aufhorchen oder Diskutieren an. Aufhorchen ließ auch seine Sprache, wenn er sich nicht in Floskeln und Worthülsen verirrte, sondern dem liturgischen Geschehen durch aktuelle und zeitgemäße Formulierungen mehr „Leben“ einhauchte.

Die Lektüre des „Christ in der Gegenwart“ wird Dieter Nesselhauf sicher weiterhin genießen. Wie sein Tagesablauf künftig aussehen wird, das steht für ihn noch nicht fest. Der neue Lebensabschnitt kommt erst langsam auf ihn zu und will natürlich gut geplant sein. Dass trotzdem manchmal Unvorhergesehenes dazukommt und manche Pläne durchkreuzt, hat ihm gerade eine längere Krankheitsphase gezeigt, von der er sich noch immer erholt. Geplant hatte er die Gestaltung seiner letzten Wochen und Monate vor dem Ruhestand sicher anders.

Zwar sind im Pfarrhaus in St. Konrad die Koffer noch nicht gepackt, doch die Zeichen stehen auf Abschied. Und der fällt Dieter Nesselhauf nicht leicht. Gerade erst durfte er die Wiedereröffnung „seiner“ St. Konradkirche erleben, in der er die meisten Gottesdienste in den letzten Jahren gefeiert hat. Dort spiegelt sich im neu gestalteten Kirchenraum auch viel von dem, was ihn als Mensch, als Theologe und Seelsorger ausmacht hat. Es ist das Innenleben des Gebäudes, das ihm am Herzen lag und liegt: die Menschen. Diese wird er vermissen und diese sicher ebenso „ihren“ Pfarrer. Er wird ihnen heiter, tiefsinnig, engagiert, offen und als wind- und wetterfester Radfahrer in Erinnerung bleiben wird.

Auf mehr freie Zeit um Kontakte zu pflegen, Freunde zu besuchen, Veranstaltungen und das kulturelle Leben in und um Karlsruhe zu genießen, freut sich der baldige Pfarrer i.R. (in Rufweite) schon jetzt. Und auf die Möglichkeit, einmal Zeit für „andere“ Sachen zu haben, nicht mehr in einem oft engen Zeitrahmen handeln zu müssen, Urlaub zu machen und mit einem gewissen Abstand gerne auch wieder als Vertretung oder Aushilfe an seiner bisherigen Wirkungsstätte aktiv zu werden.

Volker Schwab, Gemeindereferent